
Zoe schaltete ihre Nachttischlampe an und schlüpfte in ihre Kleider, die sie sich schon bereitgelegt hatte. Dann zog sie ihre Reisetasche unter dem Bett hervor. In diese hatte sie sich schon alle wichtigen Dinge eingepackt, die sie vielleicht brauchen würde.
Ihre Hände zitterten vor Aufregung. Sie wollte in ein fremdes Land. Sie lebte bei Pflegeeltern, die sie aber nicht mochte. Sie schauten nur, dass sie keinen Unfug machte und dass sie in der Schule genau das machte, was die Lehrer wollten. Sie erlaubten ihr kein privates Leben. In der Freizeit musste sie den gesamten Haushalt schmeißen.
War dies die richtige Entscheidung? Einfach gehen?
Sie war sich nun nicht mehr so sicher, am Tag war alles einfacher gewesen, in der Nacht aber war es unheimlich und beängstigend. Sie wusste gar nicht recht, was sie tun wollte, sie wusste nur, dass sie plötzlich einen wichtigen Drang verspürt hatte, in ein anderes Land zu gehen. Weshalb, und in welches, wusste sie nicht.
Doch dann besann sie sich wieder und ging in die Küche hinunter, um noch etwas Essen mitzunehmen. Dann schlich sie so leise wie es ging in das Wohnzimmer und holte aus der Schublade ihren neuen Pass. Ihr Herz pochte laut, als sie auch noch etwas Geld aus der Schublade nahm, doch ein schlechtes Gewissen bekam sie nicht. Sie war ja nicht die gewesen, die das Geld immer wieder verspielt hatte. Oft sogar hatte sie von ihrem wenigen Sackgeld einen großen Teil abtreten müssen. So fand sie es zu recht, dass sie sich nun wieder etwas davon nahm.
Eigentlich hatte sie vorgehabt noch eine Notiz zu hinterlassen, doch nun war sie voller Trotz, sodass sie nur zu gerne darauf verzichten konnte!
Zoe schlüpfte aus der Haustür und schloss sie leise ab. Den Schlüssel nahm sie mit, sie hatte zwar nicht vor, noch einmal in dieses Haus mit den schrecklichen Erinnerungen zu gehen, jedoch wollte sie etwas tun, was ihren Pflegeeltern nicht gefallen sollte ...
Erleichtert, dass sie endlich aus dem Haus war, und soweit alles gut gegangen war, lehnte sie sich an die Hauswand neben der Tür. „Ding Dong Ding Dong Ding Dong“. Zoe erschrak heftig über das schrille Klingeln. War sie jetzt wirklich an die Klingel gelehnt? Hatte sie diese denn wirklich vergessen, oder war das nur ein böser Traum?
Es war kein böser Traum, das merkte sie, als eine hohe unfreundliche Stimme rief: „Was willst du hier? Verschwinde!“ Die Pflegemutter hatte sie nicht erkannt. Zum Glück! Sonst wäre es aus gewesen mit ihrer Flucht.
Hellwach stieg das Hippie in die S-Bahn ein. Mit ihren bunten Kleidern und dem klimpernden Schmuck fiel Zoe sofort auf. Doch wenn die Leute um sie herum sie zuerst anstarrten und dann beschämt wegschauten, weil ihnen ihr Blick aufgefallen war, so amüsierte sie sich nur darüber. Oftmals schaute sie den Menschen mitten ins Gesicht, was ihnen dann noch peinlicher wurde. Es gefiel ihr, so einzigartig zu sein. So war sie halt.
Am Hauptbahnhof ging sie in die Halle zu den Fernzügen. Ihr Blick wanderte über die Anzeigetafel „Hamburg, Salzburg, Berlin, Mailand, Milano, Rom ... “, murmelte sie halblaut vor sich hin. Die Leute schauten die bunte junge Frau belustigt an, die sich aber nichts daraus machte.
Sie lief zu den Fahrkartenschaltern.
„Eine Karte nach Rom bitte“; sagte sie höflich.
„Auch zurück?“
„Nein, nur hin, zweite Klasse, ein Sitzwaggon bitte.“
Der Verkäufer gab ihr die Fahrkarte. Sie ging schnell zu dem Zug, da er schon in zwei Minuten fuhr.
Im Zug suchte sie sich ihren Platz und machte es sich gemütlich. In ihrem Abteil war noch ein Ehepaar, eine alte Dame und ein kleines Mädchen, das zu ihr gehörte.
Der Schaffner steckte den Kopf in das Abteil „Fahrkarten bitte.“
Zoe reichte ihre Karte. „Wie lange geht es nach Rom?“ fragte Zoe.
„12 Stunden und 36 Minuten“, antwortete der Schaffner freundlich.
Nach einiger Zeit ging Zoe, die noch hellwach war, obwohl es bereits 12 Uhr war, auf die Toilette.
Als sie zurück auf ihren Platz kam, lag ein Ring mit sehr schönen Verzierungen und mit einem türkisfarbenen Stein auf ihrem Sitz. Sie nahm ihn sachte in ihre Hand und betrachtete ihn genau. Als sie den Ring etwa fünf Sekunden in ihrer Hand hatte, fing der Stein an zu sprühen. Zuerst glimmerte er nur, doch dann sprühten sichtbare Funken durch die Luft, wie ein kleines Feuerwerk. Zoe erstarrte für einige Sekunden vor Schreck, dann ließ sie den Ring fallen. Kaum war er aus ihrer Hand, verhielt er sich wie ein normaler Ring mit einem Stein. Wie tot. Doch dieser Ring hatte etwas Lebendiges in sich. Sie nahm den Ring nochmals in ihre Hand, diesmal nur sehr vorsichtig. Wieder fing er an zu glimmern und zu sprühen. Sie hatte eine Idee: Vorsichtig legte sie den Ring der Frau auf die Hand, die neben ihr schlief. Sie wartete fünf Sekunden ab, dann zehn. Doch es geschah nichts. Das passiert wohl nur bei mir, dachte sie erschrocken.
Das Mädchen, das gegenüber von ihr saß, regte sich sachte. Nun merkte Zoe, dass das Mädchen sie die ganze Zeit beobachtet hatte, sie hatte nicht geschlafen, sondern sich nur so gestellt. Böse schaute sie das Mädchen an. Sicherlich würde es seine Oma wecken. Sie konnte es sich ja selbst nicht erklären, was mit diesem Ring los war, wie sollte sie es dann der Oma erklären?
„Oma, Oma, wach auf!“, das Mädchen schrie fast. Es hatte Panik bekommen. Die Oma regte sich nicht. Nochmals versuchte das Mädchen, ihre Oma zu wecken, diesmal gelang es auch.
„Dieses komische Mädchen hat aus dem Ring Funken sprühen lassen!“, beschuldigte das Mädchen Zoe.
„Ach was, sie schläft doch!“
Zoe war gescheit genug gewesen, sich schlafend zu stellen und den Ring zu verstecken.
„Und welchen Ring meinst du überhaupt? Sie hat gar keinen!“
Nach einiger Zeit war die Frau wieder eingeschlafen und Zoe konnte sich wieder regen. Sie nahm ihren Laptop hervor, um eine Geschichte zu schreiben, das tat sie immer, wenn sie beunruhigt war und Ablenkung brauchte. Sie versenkte sich dann immer so tief in ihre Geschichten, dass sie von außen nichts mehr mitbekam, sie lebte dort in ihrer eigenen Welt, die sie sich selbst gestalten konnte.
IM VERFLUCHTEN LAND war ein Schneesturm in vollem Gange. Es war kalt und der Wind blies wie ein langgefangenes Monster, das nun der Welt zeigen musste, dass es wieder da war. Das Land war vor ein paar tausend Jahren von seinem Wettergott Dejon verflucht worden.
Dejons Tochter Briselda war es leid, immer bei den Göttern zu sein, sie beneidete die glücklichen Menschen, die einst weit unter ihr lebten. Sie wollte auch so ein normaler Mensch sein, unter normalen Menschen leben und Zeit mit ihnen verbringen.
Mit diesen Gedanken schlich sie sich eines Tages davon. Sie ging auf die Erde hinunter. Sie hatte sich genau wie ein Erdenmensch gekleidet, sodass sie nicht auffiel. Sie hatte lange genug die Menschen und ihr Benehmen beobachtet, sie wusste, wie sie sich zu verhalten hatte.
Als ihr Vater sie auf der Erde sah, wurde er böse. So böse, dass er das Land verfluchte:
„Ich verfluche dieses Land, dass es nie mehr normales Wetter haben wird. Es wird sich blitzschnell ändern, dass es für die Menschen, die meine Tochter in Versuchung führten, schrecklich sein wird. Mein Wetter wird immer schrecklicher und schrecklicher sein.
Dies geht so lange, bis die zwei Auserwählten diesen Fluch besiegen können. Doch es gibt nur zwei Auserwählte, einen Junge und ein Mädchen, wenn sie es nicht schaffen, wird das Land verderben.“
Sein Fluch wurde wahr. Das Wetter in diesem Land war schrecklich. Es konnte strahlender Sonnenschein sein, die Vögel konnten fröhlich zwitschern und der See herrlich warm sein, und plötzlich war es frostiger Winter, die Vögel waren verschwunden und der See gefroren.
In der Zwischenzeit war es wieder herrliches, sommerwarmes Wetter.
Liam, ein Junge, wachte gerade aus seinem Tiefschlaf auf, weil sich ein paar Sonnenstrahlen, die sich tatenlustig in die Höhle vorgewagt hatten, ihn an seiner Nasenspitze kitzelten. Es war ein etwa fünfzehnjähriger Junge, ein nicht normaler Junge. Er besaß die Kunst der Magie, doch er wusste sie nicht richtig zu nutzen.
Er stand auf, ging aus seiner Höhle und streckte sich in der vollen Sonnenwärme. Dann ging er in die Stadt. Er kaufte sich Brot und eine Wurst. Er war ein Junge, der keine Verwandten hatte, daher kam es auch, dass er nie an einem Ort blieb. Ihn packte immer wieder die Lust neue Orte kennenzulernen. Was er jedoch immer dabei hatte, war die Perle, die er von seiner Großmutter vor ihrem Tod bekommen hatte. Er hatte sie noch nie abgezogen, und sie gehörte zu ihm wie ein Stück Haut.
Sein Geld verdiente er, indem er dort, wo er gerade war, Arbeit für ein paar Tage suchte, zum Beispiel in einem Restaurant kellnern, oder auf einem Markt helfen. Er machte einfach das, was es gerade zu tun gab, und weil er ein kräftiger Junge war, hatte er es nicht schwer Arbeit zu finden. Es gab immer genug zu tun.
Gerade sprach ihn ein junger Herr an, ob er nicht rasch beim Ausladen seines Lasters helfen könnte, sein Gehilfe war krank geworden und er konnte es nicht allein schaffen. Liam nahm das Angebot erfreut an. Er kannte die Eile nicht und so war er stets bereit zu helfen.
P.S. Ich freue mich über (Schreib-) Tipps und gute Kritik ...
AutorIn:
Cho