
Letzten Monat sind wir wieder für ein Wochenende nach Italien gefahren, weil meine Großeltern dort leben. Ich freute mich sehr, als wir in den Hügeln ankamen, wo das kleine Landhaus stand.
Am nächsten Morgen beobachtete ich die Tierwelt, die dort auf den Bergen vielfältig war. Am meisten hatten mich die schönen verschiedenfarbigen Echsen interessiert und plötzlich hatte ich Lust, eine genauer zu beobachten. Sofort berichtete ich das meinem Vater und er sagte: „Hier darfst du die Eidechsen solange erforschen wie du willst.“
Gegen Mittag ging ich immer ganz vorsichtig bei der Stelle vorbei, wo sich die Eidechsen sonnten. Als ich gerade vorbei ging, raschelte etwas. – Es war der übliche Ton einer flüchtenden Eidechse! Ich drehte mich um, sah aber nichts! Ich stand auf einer gemähten Wiese, aber keine der braunen
Eidechsen war zu sehen. So kurz wie dieser Raschelton gewesen war, konnte die Eidechse höchstens fünf Meter weit geflüchtet sein. Ich bewegte mich nicht von der Stelle, aber sah mich gründlich um - nichts! Ich wollte aber diese Eidechse finden und deshalb ging ich dann doch ganz vorsichtig umher. Plötzlich sah ich eine besonders schöne Eidechse zwischen den Büschen verschwinden. Es war eine Smaragdeidechse! Da war mir klar, dass ich diese Eidechse nicht hatte sehen können, wenn sie sich nicht bewegt hatte - denn diese Eidechsen sind richtig grasgrün und können sich unauffindbar verstecken. Wahre Tarnungskünstler!
Ich wollte diese Eidechsenart unbedingt genauer kennen lernen. Dann hatte ich eine Idee, wie ich an eine Eidechse herankommen konnte, ohne lang ruhig zu warten. Es fiel mir eine Falle ein, die ich mit meinem Vater bauen könnte. Eine Falle, in der ich Eidechsen fangen könnte ohne sie zu verletzen.
Sofort suchte ich im Geräteschuppen nach den passenden Sachen: Einen Haken, ein Netz, eine Seil - und mehr brauchte ich auch nicht. Den Haken hing mein Vater mit Hilfe einer Leiter an der Dachrinne auf, dann zog ich die Schnur durch den Haken, so dass ein Ende frei herunter hing und das andere Ende zog ich im Kreis um das Netz, immer durch die äußersten Maschen des Netzes und als ich einmal herum war, machte ich einen Knoten in die Schnur. Das Netz legte ich auf dem Boden aus, genau dort, wo sich die Eidechsen gerne sonnen. Das andere Ende der Schnur, die durch den Haken lief, behielt ich in der Hand. Wenn sich eine Mauereidechse, eine Zauneidechs oder eine Smaragdeidechse zum Sonnen auf das Netz setzen oder beim Weglaufen darüber rennen würde, dann würde ich am Schnurende ziehen und das Netz würde sich dann zuziehen.
Als alles vorbereitet war, legte ich mich auf die Lauer. Da das Netz grün war, zog es genau die grünen Eidechsen an, die sich darauf sonnen wollten.
Eine Smaragdeidechse mit langem Schwanz machte es sich auf dem Netz gemütlich. Blitzschnell zog ich an und dachte: „Jetzt habe ich dich!“ Aber als ich ins Netz blickte, war da nichts und nur eine Zehntelsekunde danach fühlte ich etwas Pieksendes unter mein T-Shirt laufen und unten rausfallen. Ich drehte mich ganz schnell um und sah gerade noch meine Eidechse ins Gebüsch laufen. Für die Eidechse war es viel leichter als ich gedacht hatte, über das Netz heraus zu laufen und da das Netz schon in der Luft hing, kletterte die Eidechse auf die Schnur und von der Schnur über meine Arme durch mein T-Shirt, um endlich wieder auf festem Boden zu sein!
Ich versuchte es noch zweimal, aber es ging jedes Mal schief - außer dass die beiden Eidechsen leider nicht mehr über meinen Körper liefen. Nach diesen zwei Malen gab ich es auf. „Die Nacht bringt immer Ideen“, dachte ich und ging deshalb erstmal ins Bett.
Am nächsten Tag schaute ich mir alles noch einmal an - jede Ecke. Es musste doch einen Platz geben, wo eine Eidechse gefangen wäre, eine Sackgasse oder so etwas! Dann bemerkte ich ein Loch in einer alten Mauer in der Nähe, das bis auf die andere Seite durchging. Und als ich reinschaute, sah ich … eine Eidechse! Ich rannte ins Haus, holte ein großes Glas, einen Stock und - meinen Vater. Vorsichtig verdeckten wir jetzt beide Ausgänge des Lochs – eines mit einem Glas und das andere mit der Hand. Ich hielt das Glas, während mein Vater vorsichtig mit dem Stock von der anderen Seite die Eidechse ins Glas schob. Wir mussten sehr vorsichtig sein, damit wir die Eidechse nicht verletzten. Nun hatte ich sie im Glas und konnte sie mir ganz gut ansehen. Ich habe viele Details an ihr gefunden. Ich habe sie mit einem Bestimmungsbuch bestimmt (Smaragdeidechse - Lacerta viridis), sie gezeichnet und sogar mit Heuschrecken gefüttert!
Nach einer Stunde war ich mit allem fertig und ließ sie an einer geschützten Stelle der Mauer wieder frei. Ich verabschiedete mich von ihr und ließ sie allein. Die hat bestimmt eine Menge ihren Freunden zu erzählen!
Als ich ins Haus kam, rief meine Mutter: „Hast du schon gepackt?“ Vor lauter Eidechsen hatte ich ganz vergessen, dass das Wochenende schon rum war. Dann mussten wir wieder nach Berlin fahren. Als wir abfuhren, dachte ich: „Das war aber wirklich ein tolles und aufregendes Wochenende!“
AutorIn:
Mr.Story