Kalliope

Vampirfieber (2)

erfundene Geschichten / Gruseliges
Datum: 01.03.2010
Zögernd stand ich auf, verunsichert und aufgeregt. WENN das Klopfen nicht meiner Einbildung entsprungen war und WENN ich jetzt endlich etwas Neues, Aufregendes erleben würde ... ich weiß nicht, was ich dann denken, geschweige denn tun würde.

Wie auf Wolken schlich ich zu dem linken Zimmerfenster, lauschte. Lauschte in die stille Nacht hinein, lauschte dem Rauschen, das der Wind in den Bäumen in unserem Garten verursachte. Mein Atem schien mir unwirklich laut und rasselnd.
Wieder klopfte es.
Wieder dieses Seufzen: "Zora ... hier her ..."
Mein Herz ging unregelmäßig, ein Takt zu viel, Pause, drei schnelle, zwei normale, einer, Pause.
"Beruhige dich!", redete ich mir ein: "Nichts als der Wind, nichts als deine Fantasie ..." Trotzdem zog ich die Jalousie nach oben und starrte nach draußen.
Zuerst sah ich nichts. Nur die Schwärze der Nacht und unseren Garten, die Straße. Und plötzlich, von einer Sekunde auf die andere, tauchte ein Gesicht vor mir auf, dicht vor der Scheibe. Mit einem gellenden Schrei stolperte ich zurück, fiel und robbte rückwärts zu der gegenüberliegenden Wand.
Warum nur, warum waren meine Eltern ausgerechnet heute eine Oper besuchen?
Das Gesicht vor der Scheibe starrte mich mit unglaublich blauen Augen an. Es war ein Junge, etwas älter als ich vielleicht. Er hatte breite Schultern, die unter einem langen grauen Mantel verborgen waren, und schwarze glatte Haare, nass von dem Regen, der gegen die Fensterscheibe schlug.
Sekundenlang schauten wir uns in die Augen, ich, weil ich wie hypnotisiert war vor Panik, und er schaute einfach nur ruhig.
Es ist schwer zu beschreiben wie er mich ansah. Dann grinste er und zeigte zwei spitze Eckzähne, die etwas länger waren als die restlichen Zähne.
"Du brauchst keine Angst haben, Zora. Ich bin hier, um dich nach Hause zu holen."
Ein Traum ..., dachte ich, MEIN Traum ...
"Mach mir auf. Öffne mir das Fenster. Warte nicht länger. Du musstest doch schon so lange warten ...", flüsterte er. Es schien, als würde seine Stimme in meinem Kopf sprechen, denn er bewegte die Lippen nicht.
"Du bist ein Vampir ...", hauchte ich. Ein freudiges Kribbeln machte sich in meinem Bauch frei und ließ mich aufspringen. Dann rannte ich zum Fenster, fiel hin, rappelte mich auf und riss ohne zu zögern das Fenster auf.
In der nächsten Sekunde stand er vor mir. Er war um einiges größer als ich dachte, einen Kopf größer als ich, dabei war ich nicht klein, ich war 1,76 m groß.
"Komm zu mir ... so ist es richtig ...", sagte er und legte seine Arme um meinen Körper. Ich kam mir so zerbrechlich und verloren vor, als würde er mich vor etwas bergen, das mir Böses wollte.
Ich vertraute ihm.
Und in der nächsten Sekunde biss er mich. Langsam bohrten sich seine Zähne tief in das Fleisch, unter dem meine Halsschlagader lag. Ich hörte minutenlang das Geräusch, als er mit großen Schlucken das Blut aus mir heraussog.

(... Fortsetzung folgt ...)
Atakah

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